Ist dir schlecht oder hast du Angst?

Wir steigen vom Bus in den Flieger, da fällt mir eine Frau auf, die nicht die Treppe raufsteigt, sondern unten stehen bleibt und sich am Geländer festhält. Sie gehört zu einer Band oder einem Orchester, jedenfalls einer größeren Gruppe mit vielen Instrumenten, die aber alle an ihr vorbei laufen. Ich gehe zu ihr und frage sie „Ist dir schlecht oder hast du Angst?“ Sie guckt mich an wie das Leiden Christi und sagt „Mir ist sooo schlecht.“ Ich spreche ihr zu, wird schon, essen, schlafen, an die Decke gucken, alles, was mir so einfällt. Sie sagt „Ok, mach ich. Danke!“ und steigt ein.

Dann beziehe ich meinen Platz in Reihe 7, leider Mitte. Denn meine Fensterplatzreservierung war mit dem sinnbefreiten Umbuchen auf KLM natürlich auch hin. Meine Nachbarin am Gang atmet sehr schwer, während die PIloten sich noch sortieren. Ich frage sie „Ist dir schlecht oder hast du Angst?“ Sie antwortet „wenn ich ehrlich bin, habe ich Angst. Und zwar riesengroße. Scheißangst.“ Als sie das sagt, stehen ihr die Tränen in den Augen und die ersten kullern runter. Ich sage, „das schlimmste hast du schon geschafft, du hast dich jemandem anvertraut. Ich halte gerne deine Hand und tue, was immer du willst.“ Sie so „Echt?!“ und schwups ist ihre Hand in meiner.

Nachdem wir den Start hinter uns hatten, frage ich sie, ob ich kurz meine Hand zurückhaben könnte, ich müsste mal in mein Brötchen beißen, weil es sonst dünn wird mit meiner Unterstützung, weil ich überhaupt noch nichts gegessen habe. Jepp, klappt. Während ich kaue wird mir klar, mit Lesen wird das nichts und mein Plan, meine Fensternachbarin zu fragen, ob sie mit mir tauscht, war natürlich auch dahin.

Da sitzen sie in einer Reihe: Steffi aus Stuttgart am Fenster, die versucht, zu schlafen. Was ihr nicht gelingt, weil Darina aus Hannover in der Mitte versucht, Katharina aus Köln zu therapieren.

Sooooo schade, leider kein Foto. Dafür umarmen mich sowohl die Musikantin als auch Katharina nach Landung in Helsiniki so doll, als hätte ich ihr Leben gerettet.

So, jetzt aber Koffer nehmen und ab in den Bus. Mir stehen noch 5 Stunden Busfahrt bevor. Und worauf ich mich am allermeisten freue… Endlich meine Ruhe. Ich steige in den Bus, setze mich auf einen freien Platz, nicke höflich meiner Sitznachbarin zu und lache laut: Da sitzt Silke.

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