Das Dramaprotokoll

Der Tag beginnt mit meiner täglichen Routine: Wetter Finnland, Flugstatus Frankfurt, Flugstatus Hannover… What? Gestrichen? Schnelle Mail an mein freundliches Reisebüro mit der Frage „Was jetzt?“

Wikinger antwortet kommentarlos mit einer „Änderungsrechnung“, dass der Flug nun durch ein Rail & Fly-Ticket ersetzt wurde. Haken Nummer 1: Ich muss 12 Stunden früher los. Das geht nur schwer zu organisieren, aber muss ja irgendwie.

Haken Nummer 2: Ich brauche ein Hotelzimmer. Durch den Streik ist alles voll oder irrsinnig teuer. Mein freundliches Reisebüro hilft. Aufgrund des engen Zeitfensters bietet mir mein freundliches Reisebüro an, für mich zum Bahnhof zu fahren und mein Rail & Fly-Ticket schon zu holen. Es gibt nämlich jetzt Zahlencodes, die man in Automaten eingibt. Haken Nummer 3: In Sehnde gibt es diesen Automaten nicht, sondern nur in Hannover. Damit ich nicht schwarz fahren muss, spendiert mir mein freundliches Reisebüro die Fahrkarte für den Nahverkehr zum Hauptbahnhof in Hannover.

Zum Glück habe ich das meiste ja schon im Koffer, die Details fehlen jetzt, keine Zeit mehr. Muss ich halt improvisieren. Als ich mich umziehe, spüre ich einen ganz fiesen Schmerz und erschrecke mich selbst über das Bild. Ein Abszess in einer Größe, die ich noch nicht gesehen habe. Scheiße, was ist das denn? Mir bleiben noch 40 Minuten für eine Entscheidung, Dr. Google droht mit Sachen bis hin zur Sepsis.

Ich fahre in die Apotheke, sie so „Oh Gott, damit müssen Sie auf jeden Fall zum Arzt!“, auch meine Handy-Notrufe ergeben das selbe. Ich entschließe mich also für den medizinischen Notdienst und verliere 2 Stunden, meine Reservierung und weitere Nerven. Gewinne dafür die Sicherheit, nun verarztet und mit Antibiotkumrezept die Reise antreten zu können.

Ich checke die Verbindungen und wähle mein Telefon durch, wer mich Freitag Abend mal schnell zum Bahnhof nach Hannover fährt. Allerdings scheitert auch hier die Ticketausgabe per Code am Automaten. Mir bleiben noch 20 Minuten für den Serviceschalter und noch 3 Leute vor mir. Und dann passiert das: Nein, er kann mir auch kein Ticket ausstellen, was das für ein Code sei, wisse er auch nicht. Er telefoniert, schreibt was auf einen Zettel und sagt „Finde Bianca, Wagen 9, Abschnitt B.“

Um 21 Uhr steige ich in den ICE und frage die erste Frau, die ich sehe, „Bist du Bianca?“ „Ja,“ sagt sie. „Und du Darina?“ Ich kaufe mir ein Bier, merke zum ersten Mal, dass ich überhaupt nichts gegessen habe und dann kullern mir einfach so die Tränen runter, weil ich maximal durch bin. Nach 10 Minuten kommt Bianca wieder und fragt „Hast du Lust, in der ersten Klasse zu sitzen? Wenn die Kinder aufwachen, wirds laut.“ Sie nimmt einfach meinen Koffer und bringt mich in die erste Klasse. Unfassbar.

Ich bin so dankbar für mein freundliches Reiseüro, für Burkis Fahrdienst, für Tinas Beistand, für Bianca und den DB-Service-Mann in Hannover und dass ich Frankfurt noch vor Mitternacht erreiche und damit noch viereinhalb Stunden schlafen kann. Ich hoffe einfach sehr, dass meine Pechsträhne endlich ein Ende hat, der Flieger nach Helsinki mogen wirklich geht und sich nichts weiter entzündet.

Ich hol mir jetzt noch ein Bier, genieße die Stille der ersten Klasse und leere meinen Tränenkanal.

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