Kloster Tag 2

Grundsätzlich beginnt mein Tag mit Frühstück. Irgendwas auf nüchternen Magen zu machen, ist überhaupt nicht meins. Aber schweigen geht 😂.

Der Morgen beginnt mit einer Meditation, die mich fast zu Tränen rührt. Halb acht sitze ich auf meinem Meditationskissen und die Kirchenglocken läuten. Das Ende wird mit lateinischen Gesängen signalisiert. Gänsehaut mal fünf.

Klosterflur vor meinem Zimmer

Die erste reist ab. Ja, Stille erträgt nicht jeder. Frühstück. Ich teile übrigens ein Bad mit Kerstin aus Braunschweig, die mit Wasserkocher und Wärmflasche angereist ist. Ohne geht sie nirgendwo hin, sagt sie. Ich hab Glück mit ihr, Bad teilen ist ja so eine Sache.

Mittags kann ich sagen, mantrisches Singen ist nicht meins, wobei das, was ich mit Eddies Songs mache, im Grunde auch nichts anderes ist.

Beim Essen zu schweigen, wenn du mit netten Menschen in einer Runde sitzt, fühlt sich nicht richtig an. Gefällt mir nicht.

Refektorium: Hier essen wir

Aber dann, der Hammer am späten Nachmittag… Im Konzertsaal ist ein Cellokonzert. Wenn wir die Tür unseres Meditationsraums öffnen, hören wir sie. Da sitzen wir dann im dunklen Raum, nur bei Kerzenschein. Definitiv ein Moment fürs ewige Momentekonto. Atemberaubend.

Meditationsraum bei Tageslicht ohne Kerzen

Ich will mal versuchen, die Atmosphäre wiederzugeben. Klosterkirche Oberrang gibt es die sogenannte Prieche, die so aussieht:

Rechts die Prieche, links das Kirchenschiff, geradeaus Eingang zum Meditationsraum

Nach dem Abendessen machen wir eine Gehmeditation auf der Prieche, wir sind also quasi im Dunkeln in der Kirche. Einziger Lichteinfall ist der Mond durch die Kirchenfenster und der Kronleuchter mit nicht mehr als 25 Watt-Birnen über uns. Weil es sehr kalt ist, tragen wir Decken wie Mönchskutten. Das ist unfassbar schön und wahnsinnig beeindruckend.

Fazit Tag 2: Wir stellen fest, dass wir eine ganz besondere Gruppe sind, die sich einander sehr verbunden fühlt. Wir reden nur eine Stunde am Tag, aber manchmal weißt du eben auch ohne Worte, dass es passt. Und das wenige, was gesagt wird, ist so tief und ehrlich. Das geht natürlich nur, weil hier jeder die Hosen runter gelassen hat. Wenn du dazu nicht bereit bist, dann meldest du dich nicht zu so einem Kurs an. Emotionen, Gänsehaut, Gedanken, Tränen, Rührung und Ideen wechseln sich ab und du weißt nicht, was als nächstes kommt. Ein Feuerwerk an Gefühlen.

Um halb zehn fällst du ins Bett, weil mit sich selbst beschäftigen auch Arbeit ist. Wenn nicht die schwerste 😉

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