Eigentlich will ich nach Arendsee, aber dort ist überall nur Anreise bis 18 Uhr. Auf einem Campingplatz! Das hab ich wirklich noch nie gehört. Wenn ich nach Feierabend nicht noch einen Friseurtermin hätte, hätte das ja auch geklappt.
Gegen 14 Uhr schickt mir mein Handy-Wallet eine Nachricht, dass meine Karte gesperrt wurde. Ich rufe auf dem Weg zum Friseur bei der Hotline meiner Bank an. Ja, da gäbe es ein Problem und ich wäre die x-hunderste, man ist um eine Lösung bemüht. Unweit meines Friseurs ist eine Bank. Ich bekomme weder auf meine Debit- noch auf meine Kreditkarte Geld. Also gestehe ich meinem Friseur, dass ich den Termin zwar wahrnehmen, aber nicht bezahlen kann. Weder elektronisch noch mit Karte noch in bar. Man macht meine Haare trotzdem schön, wofür ich dankbar bin. Das ist bei aller Liebe keine Selbstverständlichkeit.

Es löst aber mein Problem nicht: Ich hab einen leeren Tank und 30 Euro Bargeld. Das reicht nicht für ein Wochenende, der Bulli steht gepackt vor der Tür. Und eine Tankstelle sagt ganz sicher nicht wie mein Friseur „Das regeln wir schon irgendwie.“ Ich frage mich, während ich an meiner Maracujaschorle nippe, wo die Kamera steht. Das kann doch nicht wahr sein. Aus dem Nichts bist du plötzlich handlungsunfähig und deine Pläne lachen dich aus.
Aufgeben? Nein. Ich fange an, meine üblichen Lebensretter abzutelefonieren. Bei Nummer 3 habe ich Glück. Ich werde als kreditwürdig eingestuft und kann ein paar Scheine abholen. So lande ich 5km vor Gifhorn am Erikasee. 100 Kilometer von Arendsee entfernt, am letzten Platz mit Anreise nach 18 Uhr.


Es gibt so Tage, da fragt man sich mehr als einmal, wo die Kamera steht. Aber egal, Hauptsache Bulli. Und während ich das schreibe, meldet sich mein Handy-Wallet: Es ist wieder Geld da.

