Muldestausee oder das Dschungelcamp

Um 6 Uhr klingelt mein Wecker, die einzige Chance, das Programm heute ohne Hitzekollaps zu überstehen. Vor mir liegen 15km Rad und 17km zu Fuß. Um 7:15 Uhr sitze ich im Sattel Richtung Muldestausee.

Ich starte in Friedersdorf, es beginnt ganz idylisch.

Dann Szenenwechsel. Ich denke, es muss sich um einen Irrtum handeln. Die nächsten 3,5km führen mich durch kniehohes Walddickicht mit ganz viel Spinnweben. Ein Blick ins Handy: Der Weg ist richtig und ohne Alternative. Also entwickele ich eine neue Gangart: Über den linken Arm wischen, dann über den rechten, dann durchs Gesicht, nur im Notfall über die Beine. Irgendwann lass ich das. Ich stelle mir einfach vor, ich bin im Dschungelcamp. Ich reiße die Mücken aus ihrem Schlaf, die sich mit Verfolgung und Stichen revanchieren. Am Ende der Etappe finde ich neben zwei Zecken weitere Tiere an meinem Körper, die ich noch nie gesehen habe.

Als ein totes Kitz am Weg liegt, wird mir etwas unheimlich.

Danach hört der Wald auf, das kniehohe Umland bleibt aber.

Achtung, jetzt folgt ein wirklich schöner Abschnitt bis zur Staumauer.

Dann kommt herrlichster Waldweg, wie man sich ihn vorstellt.

Hält nur leider nicht lange und auf den letzten 4 km werde ich auf eine sehr harte Probe gestellt. Es ist wie der erste eklige Teil, nur ohne Fluchtmöglichkeit. Wildnistunnel bei über 30 Grad.

Kürzlich habe ich Seminare für Mentaltraining gegoogelt. Das brauche ich jetzt nicht mehr. Das hier war eins und ganz kostenlos.

Dann entdecke ich eine Kanuregatta. Als ich dort ankomme, sehe ich aus, als hätte ich eine Woche im Wald gelebt.

Ich mische mich unters Volk und küre mich selbst mit einer frisch gegrillten Bratwurst zur Dschungelkönigin 2025.

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